Selbst steuerndes Ressourcenmanagement für ICT

Kurzbezeichnung: SORMA
Start: 01. September 2006
Ende: ​​31. August 2009
Projektdauer: 3 Jahre
Förderung: 6. Rahmenprogramm der EU
Projektverantwortlicher am BF/M: ​​Dipl.-Kfm. Raimund Matros
Kontakt: Prof. Dr. Torsten Eymann

Am Betriebswirtschaftlichen Forschungszentrum für Fragen der mittelständischen Wirtschaft e. V. der Universität Bayreuth (BF/M) endete im August 2009 das von der Europäischen Kommission geförderte Projekt SORMA (Self Organizing ICT Resource Management). Es hatte einen Umfang von 2,7 Millionen Euro, verteilt über eine Projektlaufzeit von drei Jahren. Weltweit beteiligten sich zwölf Institutionen aus der Wirtschaftsinformatik, Betriebswirtschaft und Informatik an dem Forschungsvorhaben.

Ziel des Projekts war die Entwicklung einer Plattform für den Austausch von „on-demand“ Ressourcen. Als Basis für die Infrastruktur dienen sog. Grid-Systeme. Durch die Anbindung über das Internet an ein Grid werden Unternehmen in die Lage versetzt, Ressourcen wie Serverkapazität, Speicherkapazität oder Applikationen nach Bedarf („on-demand“) von Serviceanbietern abzurufen. Die Technologien und Geschäfts­modelle mit denen ein Anbieter seinen Kunden IT-Leistungen in Form von Services zur Verfügung stellt und nach Verbrauch abrechnet werden „utility computing“ genannt. An diesem Punkt knüpfte das Projekt an. Neben dem Handel mit Ressourcen steht bei SORMA die Erfüllung der vereinbarten Leistungen im Mittelpunkt. Für die Nutzer ist dabei vor allem die Qualität der erhaltenen Ressource von Bedeutung.

Im Oktober 2009 wurde die entwickelte Plattform in einer Live-Demonstration eingeladenen Repräsentanten der Europäischen Kommission vorgestellt. Die Begut­achter waren von den Ergebnissen des Projekts überzeugt und bewerteten SORMA mit der Note „good to excellent“. Die Industriepartner Correlation Systems (Israel) und TXT e-solutions (Italien) haben Interesse bekundet, das entwickelte Produkt nach Ablauf der Projektdauer in ihren operativen Betrieb zu integrieren und weiter­zuentwickeln. Somit ist eines der wesentlichen Projektziele, nämlich der industrielle Einsatz der Plattform, erfüllt.

Kernstück der Plattform ist die Entwicklung einer kom­po­nen­tenbasierten Soft­ware-Archi­tek­tur für den Aufbau einer Han­dels­platt­form für IT-Res­sourcen.

Am Projekt beteiligten sich neben dem BF/M-Bay­reuth, die Uni­ver­si­tät Karls­ruhe, das Barcelona Super­computing Center, die Cardiff University, Cor­relation Sys­tems aus Israel, die Hebrew Uni­versity, das Research Cen­ter for Information Tech­nologies in Karls­ruhe, Sun Microsystems, das Swedish Institute of Com­puter Science, TXT e-So­lu­tions aus Italien, die Uni­versitat Politècnica de Catalunya, die University of Reading und die Uni­versity of New South Wales.

Zum Hintergrund von „on-demand“-Ressourcen

Der Handel mit IuK-Ressourcen verspricht Effizienzgewinne im Vergleich zu herkömmlichen Systemen. Während häufig eingesetzte Server auf Basis einer Intel-Architektur eine Auslastung von 10 bis 15 % erreichen, liegt die durchschnittliche Auslastung bei Desktop-Computern sogar noch darunter, bei ungefähr bei 5 %. Damit wird ein Großteil der verfügbaren Rechenleistung in Unternehmen nicht genutzt. Durch das Projekt SORMA soll das notwendige Werkzeug entwickelt werden, um Unternehmen den Einstieg zum IuK-Ressourcenhandel zu ermöglichen. Dadurch können benötigte Rechnerleistungen nach Bedarf abgerufen werde, ohne dass das jeweilige Unternehmen die Hardware dafür beschaffen muss. Nicht ausgenutzte Ressourcen können daher abgebaut werden.

Nutzung der Erkenntnisse aus SORMA

Die gewonnenen Erkenntnisse mündeten am BF/M in eine Zusammenarbeit mit der SAP AG zum Thema Software-as-a-Service (SaaS). SaaS ist ein flexibles Bezugs­modell für Software und stellt damit die kommerzielle Weiterentwicklung des On-demand-Gedankens aus SORMA dar. SaaS verändert fundamental die  Art und Weise, wie Unternehmen Software nutzen. Anstatt Software zu erwerben und im Unternehmen zu installieren und zu betreiben, werden im SaaS-Modell Installation, Betrieb, Wartung und Updates von einem Dienstleister übernommen. Dieser stellt die Software gegen Zahlung einer laufenden Gebühr per Internetverbindung zur Verfügung.

SaaS wird in der Fachpresse als besonders geeignet für den Mittelstand angesehen. Allerdings hält sich der deutsche Mittelstand mit der Übernahme des Konzeptes noch zurück. Das Projekt beantwortete die Frage, welche Faktoren bei der Übernahme von Software-as-a-Service durch den deutschen Mittelstand von Bedeutung sind. Auf Grundlage der theoretischen Vorarbeit aus dem SORMA-Projekt konnten 25 Faktoren ermittelt werden, welche die Adoptionswahrscheinlichkeit bei mittelständischen Unternehmen beeinflussen.

Neben geläufigen Faktoren, wie der externen Speicherung von sensiblen Daten, stellten sich weitere SaaS-Eigenschaften, beispielsweise Erprobbarkeit und Bezugs­flexibilität, kontinuierliche Updates, Anpassungs- und Erweiterbarkeit, Benutzer­freundlichkeit, Integrationsfähigkeit und das Bezugskostenmodell als relevante Einflussgrößen heraus. Des Weiteren beeinflussen Merkmale des SaaS-Anbieters, wie z. B. die garantierte Verfügbarkeit oder seine ökonomische Stabilität und Referenzen die Übernahme von Software-as-a-Service. Zudem wird gezeigt, dass die Bindung an einen Anbieter aus Sicht der Transaktionskostentheorie im SaaS-Modell abnimmt. Darüber hinaus beeinflussen die strategische Bedeutung einer Applikation sowie diverse Rahmenbedingungen beim Nachfrager die Adoptions­wahrscheinlichkeit.

Die Erkenntnisse wurden im Rahmen einer Praxisdiplomarbeit des Diplomanden Daniel Pöhler gewonnen, der im Zeitraum von Oktober 2009 bis März 2010 mit der SAP AG sowie mittelständischen Unternehmen zusammenarbeitete.