Digitales Bad Hindelang – Eine alpine Tourismusgemeinde in Zeiten der Digitalisierung

Im bundesweiten Wettbewerb Zukunftsstadt fördert das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) insgesamt 51 Kommunen und Städte, um ihre individuelle Zukunftsvision 2030+ zu entwickeln. Auch Bad Hindelang – als einer der zehn beliebtesten Tourismusorte Bayerns – konnte sich nach Begutachtung von einer unabhängigen Expertenjury gegenüber bundesweit 167 Mitbewerbern durchsetzen und hat somit als einzige Allgäuer Gemeinde Einzug in die erste Runde des Wettbewerbs gehalten. Die Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT steht der Gemeinde dabei als wissenschaftlicher Partner zur Seite und begleitet den Wandel.

Das Projekt „Digitales Bad Hindelang“ verfolgt das Gesamtziel, ganzheitliche, bedarfsgerechte und bürgernahe digitale Lösungen für die langfristigen Herausforderungen der Tourismusgemeinde zu entwickeln, umzusetzen und dauerhaft in der Gemeinde zu verankern.

Im Zuge des Projekts sollen nun die Chancen der Digitalisierung für die Marktgemeinde weiter genutzt und ausgebaut werden. Digitale Lösungen sollen die Kommunikation zwischen den, bisher weitgehend individuell agierenden Bürgerinitiativen, sowie die Kommunikation der unterschiedlichen Akteure und Anspruchsgruppen untereinander vereinfachen und stärken. Hierdurch lassen sich Synergien zwischen den unterschiedlichen Betätigungsfeldern schaffen und gemeinsame, bürgernahe Ziele im Rahmen eines ganzheitlichen Konzepts für die Zukunft der Gemeinde herausbilden und umsetzen.

Um im Rahmen des Projekts eine bürgernahe und bedarfsgerechte digitale Vision für Bad Hindelang zu entwickeln, sollen im Zuge der ersten Projektphase gemeinsam mit Bürgern, Bürgervertretern, Vereinen und Unternehmen aktuelle Bedarfe mittels einer Bürgerbefragung und erwünschte Zukunftsvisionen mittels einesIdeenwettbewerbes festgestellt werden. Konkrete Ansatzpunkte für eine bedarfsgerechte Digitalisierung der Marktgemeinde sollen anschließend in einem Workshop gemeinsam priorisiert werden.

 

Im April 1945 wurde in Bad Hindelang digitale Geschichte geschrieben: Zum Ende des 2. Weltkriegs zog sich Konrad Zuse in die kleine Gemeinde zurück. In seinem Gepäck befand sich eine Z4, die als einziger funktionsfähiger digitaler Computer Europas bis 1947 vor den Besatzungstruppen versteckt wurde. So lassen sich die Wurzeln der Digitalisierung bis ins Allgäu zurückverfolgen.

Der Wettbewerb Zukunftsstadt lässt in der alpinen Tourismusgemeinde Bad Hindelang, mit ihren 5000 Einwohnern, den digitalen Pioniergeist wieder aufflammen und die Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“ entwickeln. Bad Hindelang verfolgt das Ziel, ganzheitliche, bedarfsgerechte und bürgernahe digitale Lösungen für die kurz- und langfristigen Herausforderungen der Tourismusgemeinde zu entwickeln, umzusetzen und dauerhaft in der Gemeinde zu verankern. Für eine nachhaltige digitale Zukunftsvision ist der intensive Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern notwendig – so appellierte auch Prof. Horst Zuse, der in Bad Hindelang geborene Sohn des Erfinders des digitalen Computers, im Rahmen seines Impulsvortrags an die kritisch hinterfragenden Zuhörer des ersten Bürgerworkshops.

Damit sich alle Beteiligten in der Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“ wiederfinden, setzt die Gemeinde auf den modernen „Open Innovation“ Ansatz. Durch die aktive Einbeziehung von Bürgern, Touristen, Gästen, Vereinen und bisher unabhängig agierenden (Bürger-) Initiativen, soll das digitale Innovationspotenzial voll ausgeschöpft werden. Aufbauend auf dem aktuellen Stand der Wissenschaft, bilden eine Bürgerumfrage und ein Ideenwettbewerb die Grundpfeiler für die Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“. In Zukunft könnte ein Wanderer in Bad Hindelang von einem digitalen Ortsschild empfangen werden, das ihn über aktuelle Veranstaltungen, Wetter oder den Zustand von Wanderwegen informiert. Je nach Erfahrung, Jahreszeit und Gesundheitszustand könnten individualisierte Wanderrouten empfohlen werden – beispielsweise entlang eines digitalen Natur- und Kulturlehrpfads. Auf dem Gipfel wartet eine frische Brotzeit des örtlichen Metzgers – geliefert per Drohne. Für die Rückfahrt in die Gemeinde koordiniert er sich über sein Smartphone mit anderen Wanderern, so wird Verkehr in der empfindlichen Natur vermieden. Am nächsten Morgen klingelt ein Lieferant an der Ferienwohnung, um frische Milch und frische Brötchen von lokalen Erzeugern zu liefern.

Dies ist nur eine Auswahl der im Rahmen des Ideenwettbewerbs entstandenen Projektansätze. Kleinere Ideen wurden bereits im Rahmen der ersten Projektphase umgesetzt, und natürlich ist auch im Rahmen der zweiten Projektphase jede Idee auf ihre Akzeptanz hin konkret zu prüfen. Daher ist im weiteren Verlauf auch nicht die Umsetzung einzelner Ideen das konkrete Ziel. Vielmehr soll eine skalierbare und auch auf andere Gemeinden übertragbare Plattform „ZukunftsOS“ geschaffen werden, welche ähnlich einem Betriebssystem die Umsetzung konkreter Ideen über Nutzergruppen und Endgeräte hinweg überhaupt erst ermöglicht. So wird verhindert, dass wenig nachhaltige Insellösungen entstehen. Zur Demonstration der Leistungsfähigkeit des ZukunftsOS soll schon in der zweiten Projektphase ein online Bauernmarkt für regionale Produkte und Dienstleistungen geschaffen werden. Die Stärkung des lokalen Einzelhandels wurde schließlich im Rahmen der Bürgerumfrage und des Bürgerworkshops als eine der größten Herausforderungen der Gemeinde identifiziert.

Um den Wünsche und Bedürfnisse der Bürger direkt in das Projekt einfließen zu lassen, und um schnell erste Projektergebnisse zu generieren, soll in der zweiten Projektphase agiles Projektmanagement zum Einsatz kommen. Lösungen werden in schnellen Zyklen prototypisch umgesetzt, mit den Betroffenen (z.B. in Workshops) diskutiert und so dynamisch Anforderungen der Bürger aufgenommen.

Bereits vor 70 Jahren wurde die Z4 genutzt, um ortsansässige Bauern bei der Abrechnung ihrer Milcherträge zu unterstützen. Damals wie heute soll die Vision einer digitalisierten, ländlichen Gemeinde ganz Deutschland und die Welt begeistern.

Zusammenfassung

Die 1. Phase des Projekts „Digitales Bad Hindelang“ verfolgte das Ziel, eine Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“ zur Lösung für die (kurz- und langfristigen) Herausforderungen der alpinen Tourismusgemeinde zu entwickeln. Bad Hindelang ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einem der beliebtesten Urlaubsziele in den Allgäuer Alpen herangewachsen. Mit etwa einer Million Übernachtungen und einem daraus generiertem Umsatz von 100 Millionen Euro pro Jahr stellt der Tourismus den Hauptwirtschaftszweig der Gemeinde dar. Durch den Tourismus werden etwa 80% der gesamten Wertschöpfung erwirtschaftet. Des Weiteren bietet der Sektor Tourismus 1.500 Arbeitsplätze in einer Gemeinde mit ihren 5.000 Einwohnern.

Zur Entwicklung der Vision 2030+ nutze die Gemeinde den modernen Ansatz „Open Innovation“. Dieser verfolgt das Ziel, möglichst viel Innovationspotenzial in der Gemeinde zu schöpfen und damit die Bedürfnisse der Gemeinde in der Breite zu erfassen. Zur Durchführung dieses Ansatzes wurde auch schon in der 1. Phase die Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT zum Projekt hinzugezogen, die dazu einschlägige wissenschaftliche Vorarbeiten sowie Erfahrung in der praktischen Umsetzung vorweisen kann. Nachdem der Tourismus eine wesentliche Bedeutung für Bad Hindelang darstellt und damit im besonderen Interesse der Gemeinde und Bürger liegt, wurden einvernehmlich mit der Bürgerschaft auch Gäste und Touristen in die Entwicklung der Vision 2030+ einbezogen. Gemeinsam mit Vereinen und bisher unabhängig agierenden (Bürger-) Initiativen wurde so die Kommunikation der unterschiedlichen Akteure und Anspruchsgruppen untereinander vereinfacht und gestärkt.

Zukunftsstadtteam

Durch Vorstellung der Kernidee im Gemeinderat und in unterschiedlichen Vereinigungen konnten insgesamt 12 wertvolle, engagierte und sich komplementierende Mitglieder gewonnen werden, die den Prozess seither koordinieren und begleiten. Das Team besteht aus Vertreten der Verwaltung, lokalen Wirtschaft und Bürgern, sowie aus Vertretern der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT und touristischen Beratern der Gemeinde. Konkret sind dies Frau Kuisle (2. Bürgermeisterin), Herr Schöll (Mitglied des Gemeinderats), Herr Michel (IT-Leiter der Gemeinde), Herr Hillmeier (Tourismusdirektor), Herr Bichler (Online-Manager Tourismus), Herr Kaufmann (Vertreter des Einzelhandels), Herr Gross (Vertreter der Hoteliers), Herr Dr. Damm (Vertreter der Stromindustrie), Herr Feustel und Herr Buhl (beide Tourismusberater), Herr Prof. Dr. Fridgen und Herr Hosseini (beide Fraunhofer FIT). Die heterogene Zusammensetzung des Zukunftsstadtteams ist mit diversen Vorteilen verbunden: Verschiedene Interessensgruppen der Gemeinde sind im Prozess kontinuierlich vertreten und unterschiedlichen Know-how-Träger können – mit ihren Netzwerken – weitere Perspektiven ergänzen. Für die zweite Förderphase möchten wir zudem das Team um einen Vertreter der Bauernschaft ergänzen.

Bürgerumfrage

Zur genauen Identifikation von Problembereichen, Verbesserungspotenzialen und Bürgerbedürfnissen sowie der Ausarbeitung von Zielen der Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“, waren Bürger und Gäste Bad Hindelangs eingeladen, aktiv im Rahmen einer Bürgerumfrage mitzuwirken. Die Ausgestaltung der Bürgerumfrage war dabei angelehnt an den Lebensbereichsansatz (Hess 2009) und wurde unter Berücksichtigung spezifischer Herausforderungen von Tourismusgebieten in ländlichen Räumen (BMWi 2014) ausgearbeitet und durchgeführt. Der dazugehöriger Fragebogen konnte sowohl „offline“ ausgefüllt und in den Tourist Informationen Bad Hindelang und Oberjoch als auch im Rathaus in die aufgestellten Urnen („Zukunftsbox“) eingeworfen oder direkt online ausgefüllt und abgesendet werden. Ebenso wurde die Umfrage in lokalen Vereinen und diversen größeren Hotels, u.a. dem Kinderhotel Oberjoch, dem Panoramahotel Oberjoch, Prinz-Luitpold-Bad, Hotel Sonne und Sporthotel Hindelang, sowie in diversen Bäckereien und Konditoreien zur Verfügung gestellt, um eine rege Beteiligung für das Projekt zu gewährleisten. Intensive persönliche Befragungen und Experteninterviews wurden zudem von Studierenden der Universität Augsburg im Rahmen von Seminararbeiten vor Ort in Bad Hindelang durchgeführt und wissenschaftlich aufbereitet. Der Fragebogen mit über 50 Komponenten ermöglichte eine umfangreiche, strukturierte und systematische Erfassung von Problembereichen, Bedürfnissen, (digitalen) Präferenzen, Wünschen und Werten der Bürger und Besucher. Die Bürgerumfrage unter Einwohnern, Besuchern und Touristen wurde von über 200 Teilnehmer beantwortet, wobei der Querschnitt der Bevölkerung und alle Altersgruppen vertreten waren. Über 75% der Befragten gaben an, sich für das Thema Digitalisierung zu interessieren. Trotz der ländlichen Prägung gaben 65% der Befragten an, mehr als 5 von 20 vorgeschlagenen (teilweise ausgefallenen) digitalen Technologien zu nutzen. Dies zeigt das starke Interesse der Bevölkerung an dem Thema Digitalisierung, als auch die Relevanz der Digitalisierung im ländlichen Raum.

Auf einer Likert-Skala von 1 (sehr schlecht) bis 5 (sehr gut) wurden die Teilnehmer der Bürgerumfrage gebeten, ihre Zufriedenheit innerhalb 18 diverser Lebensbereiche zu bewerten. Durch die Bewertung wurde in einem ersten Schritt die aktuelle Zufriedenheit verschiedener Lebensbereichen erfasst. Komplementär wurde untersucht, in welchen dieser Lebensbereiche der Wunsch nach Verbesserung durch Digitalisierung am größten ist, hier drücken hohe Werte einen entsprechend starken Wunsch aus. Durch die Bürgerumfrage wurden je folgende fünf Bereiche mit der geringsten Zufriedenheit und dem stärksten Wunsch nach Verbesserung durch Digitalisierung identifiziert:

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim

Aus der Synthese beider Dimensionen Zufriedenheit und Wunsch nach Verbesserung durch Digitalisierung sowie unter Berücksichtigung zusätzlich erfasster Freifeldkommentare, Interviews und den Ergebnissen des Bürgerworkshops, haben sich folgende vier, übergeordnete und besonders relevante Bereiche herauskristallisiert: Schaffung von Bildungs- & Unterhaltungsangeboten Verbesserung von Mobilität und Barrierefreiheit, Stärkung des Tourismus, Förderung des Einzelhandels.

Die Ergebnisse der Bürgerbefragung dienen hierbei als bedarfsgerechten Auswahlrahmen für die Bewertung der Ergebnisse des Ideenwettbewerbs. Zu denen im Vergleich zur Zufriedenheit niedrigen Werten zum „Wunsch nach Verbesserung durch Digitalisierung“ ist noch zu erwähnen, dass die Zufriedenheitswerte im Schnitt sehr hoch waren und den Bürgern in vielen Bereichen die Vorstellungskraft fehlte, wie Digitalisierung in einzelnen Lebensbereichen unterstützen wirken kann. In bilateralen Gesprächen mit konkreten Bezügen zu den im Folgenden vorgestellten Ideen konnte dies durchweg ausgeräumt werden. Durch das ebenfalls im Folgenden vorgestellte agile Projektmanagement wird bei den einzelnen Ideen zudem sichergestellt, dass diese dem Bürgerwunsch entsprechen.

Ideenwettbewerb

Digitale Technologien durchdringen immer mehr Bereiche unseres alltäglichen Lebens. Für Die Tourismusgemeinde Bad Hindelang ergeben sich hieraus gleichermaßen Chancen und Herausforderungen, die es individuell zu nutzen bzw. zu bewältigen gilt. Doch welche Technologien und digitale Innovationen treffen bedarfsgerecht die tatsächlichen Wünsche und Erwartungen einer Gemeinde in ländlichen Räumen? Genau hier waren Bürger und Gäste Bad Hindelangs gefragt. Vorschläge für Verbesserungsmaßnahmen und konkrete Umsetzungsvorschläge für die Digitalisierung von Bad Hindelang wurden – analog zur Bürgerumfrage – über einen Ideenwettbewerb erfasst. Zur Sicherstellung einer hohen Beteiligungsquote wurde der Ideenwettbewerb mit einem Preis der Gemeinde motiviert. Insgesamt wurden 27 Ideenvorschläge eingereicht.

In einem ersten Schritt wurden eingereichte Ideen, die keinen Bezug zum Projekt „Digitales Bad Hindelang“, d.h. keinen konkreten Bezug zur Digitalisierung aufweisen, aussortiert. Um eine bedarfsgerechte Zukunftsvision zu erstellen, wurden Ideen, die zu keiner der aus der Bürgerumfrage abgeleiteten Schwerpunkte passte, ebenso aussortiert. Ideenvorschläge, für die bereits konkrete Lösungen bestehen, wurden aussortiert, und die existierende Lösung als mögliche (Komponente einer) Umsetzungsstrategie aufgenommen bzw. in Erwägung gezogen. Die meisten Ideen wurden zur Förderung des Einzelhandels und Stärkung des Tourismus eingereicht. Nach der Vorselektion finden sich insgesamt fünf Vorschläge für die Förderung des Einzelhandels und zehn Vorschläge für die Stärkung des Tourismus. Zur Verbesserung von Mobilität und Barrierefreiheit wurde eine Idee, zur Schaffung von Bildungs- und Unterhaltungsangeboten zwei Ideen eingereicht. Zudem fallen einige der angeführten Ideen eher in den Bereich bzw. Aufbau von digitaler Infrastruktur, und beschreiben weniger eine konkrete Anwendung. Dennoch sollten auch diese in der Konzeption und Umsetzung des ZukunftsOS berücksichtigt werden. Die Vorschläge aus dem Ideenwettbewerb bilden gemeinsam mit den Ergebnissen der Bürgerumfrage und des Bürgerworkshops bedarfsgerecht die Basis für die Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“.

Konsolidierung und Gemeinderatsbeschluss

Durch die Kombination der durch die Bürgerumfrage und -workshop aufgezeigten Problemfelder sowie der durch den Ideenwettbewerb abgeleiteten Vorschläge wurden konkrete Handlungsempfehlungen für die Gemeinde erarbeitet, welche auf dem Weg in eine digitale Zukunft realisierbar und nachhaltig umsetzbar sind. Der komplette Prozess wurde begleitet durch das zwölfköpfige Zukunftsstadtteam. Basierend auf den Ergebnissen der Umfrage, wurden die eingereichten Ideen bewertet, selektiert, thematisch gruppiert und zur Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“ zusammengeführt. Durch die Bürgerumfrage und den Ideenwettbewerb konnten die vier Hauptschwerpunkte Schaffung von Bildungs- & Unterhaltungsangeboten, Verbesserung von Mobilität und Barrierefreiheit, Stärkung des Tourismus und Förderung des Einzelhandels identifiziert werden. Zu den Bereichen sind dabei zahlreiche Ideen von einem „online Bauernmarkt“, einem „Brot und Brezel Service“ oder einem allgemeinen, „regionalen Marktplatz“ bis hin zu „Umkreissuchen auf online Portalen und mobilen Endgeräten“ eingereicht worden. Hierunter lassen sich die meisten der über den Ideenwettbewerb eingebrachten Ideen subsumieren. Aus diesem Grund stimmte der Gemeinderat einstimmig für die erarbeitete Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“.

Aufgrund der erzielten Ergebnisse und hervorragenden Zusammenarbeit, ist es der Wunsch der Gemeinde auch weiterhin mit dem Fraunhofer FIT als wissenschaftlichem Partner an der Umsetzung der Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“ zu arbeiten und an der nächste Bewerbungsrunde des Wettbewerbes „Zukunftsstadt“ teilzunehmen.

Bedarfsgerecht, ganzheitlich und bürgernah! Die Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“ verfolgt das Ziel, ein skalierbares, personalisierbares und auf andere ländliche Gemeinden übertragbares, digitales Gesamtkonzept zu entwickeln, welches auf den Wünschen und Bedürfnissen der Bürger selbst fußt. Doch wie könnte ein beispielhafter Tag im zukünftigen Bad Hindelang aussehen?

In Bad Hindelang 2030+ empfangen einem schon bei der Ankunft im Ort neben einem warmherzigen „Grüß Gott“ eine Informationstafel mit den aktuellen Ausflugszielen, lokalen Märkten, Messen und spannende Veranstaltungen. Dank des neusten Wearables, lässt sich die Ferienwohnung digital öffnen und der Urlaub kann beginnen.

In Bad Hindelang 2030+ sind Informationsterminals auch Kommunikationsterminals. So ist das erste individualisierte Ausflugsziel sofort gefunden. Die Route wird vom Terminal direkt auf das Smartphone übertragen. Für die Anfahrt koordiniert man sich über sein Smartphone mit anderen Wanderern, so wird Verkehr in der empfindlichen Natur vermieden. Mit dem Auto geht es los und dank des intelligenten Parkleitsystems wird gleich beim ersten Anlauf ein freier Parkplatz gefunden. Einer Wandung durch die traumhaft schöne Alpenlandschaft steht nun nichts mehr im Wege.

In Bad Hindelang 2030+ ist der Wanderweg weder zu kurz noch zu lang, denn die vorgeschlagene und individualisierte Wanderroute ist nicht nur auf das Wetter, aktuelle Schon-, Nist- und Brutzeiten angepasst, sondern berücksichtigt ebenso individuelle Leistungs- und Gesundheitszustände (e-health). Denn in Bad Hindelang 2030+ wird „Quantify Yourself“ wird mit ökologischen und gesundheitlichen Zielen synergetisch verbunden.

In Bad Hindelang 2030+ verläuft die Wanderung in einem der artenreichsten deutschen Naturschutzgebiete. Es lockt dabei nicht nur Erholung in der idyllischen Naturlandschaften, sondern auch Wissenswertes über die Kulturlandschaft. Denn alle Wege verlaufen entlang digitaler Natur- und Kulturlehrpfade. Spielerisch werden hier – für Kinder und Erwachsene – Kenntnisse über Flora und Fauna, Ökologie und Kulturgeschichte vermittelt.

Was wäre in Bad Hindelang 2030+ schöner, als auf dem Gipfel angekommen eine leckere bayerische Brotzeit zu genießen? Nach der Übermittlung der aktuellen Koordinaten an einen Dienstleister, kommt diese direkt vom ortsansässigen Metzger zum passenden Picknickplatz und wer weiß, in 2030+ vielleicht sogar mit einer Drohne.

In Bad Hindelang 2030+ klingt ein erlebnisreicher Tag noch immer romantischen vor dem Kamin aus. Jetzt hat man die Brötchen für das Frühstück vergessen und wer will schon morgens so früh zum Bäcker? Über einen digitalen Brot- und Brezelservice lässt sich dies für die ganze Familie noch aus dem Bett heraus erledigen. Frisch gebacken werden diese – gemeinsame mit der frischen Milch von ortsansässigen Bauern – pünktlich zum Frühstück geliefert.

Wieder zu Hause 2030+ sind die Erinnerungen an das schöne Bad Hindelang noch immer präsent. Zum Glück kann man sich über den online Bauernmarkt von Bad Hindelang ein Stück Erholung und Natur auch nach Hause holen. Denn ob Käse, Schinken oder Eier, alles was man hier findet kommt direkt vom Bauern aus Bad Hindelang. So weiß jeder immer, wo die Milch herkommt und das kommt nicht nur bei den Touristen gut an, sondern auch bei den Bauern, die an ihrer Milch wieder etwas verdienen.

Viele Ideen – Eine gemeinsame Lösung: Das ZukunftsOS

Aus der Bürgerumfrage und dem Ideenwettbewerb wurden vier Hauptschwerpunkte – Schaffung von Bildungs- & Unterhaltungsangeboten, Verbesserung von Mobilität und Barrierefreiheit, Stärkung des Tourismus, Förderung des Einzelhandels – abgeleitet (vgl. Beschreibung/Ergebnisse der 1. Phase). Die vier Schwerpunkte bilden die Basis für die Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“. Diese ist damit das Ergebnis der Vorschläge und Wünsche der Gemeindemitglieder, welche über die Bürgerumfrage und den Ideenwettbewerb in das Projekt eingebracht worden sind.

Während der zweiten Projektphase könnte die Gemeinde Bad Hindelang nun jeden dieser Vorschläge, der aus dem Ideenwettbewerb gewonnen werden konnte, einzeln nach Machbarkeit und Kosten bewerten, singuläre Lösungen konzipieren und diese in einer dritten Projektphase separat umsetzten. Eine partikuläre Betrachtung und die Erstellung diverser Einzellösungen, würden jedoch dem Anspruch einer ganzheitlichen, skalierbaren und auf andere Gemeinden übertragbaren Vision widersprechen.

Damit das hohe Synergiepotenzial der von den Bürgern erarbeiteten Vorschläge voll ausgeschöpft werden kann, bedarf es einer flexiblen Gesamtlösung, welche die Integration vieler der vorgeschlagenen Einzellösungen ermöglicht. Zudem muss eine kontinuierliche Anpassung und Erweiterung die Realisierung neuer Ideen möglichen, während gleichzeitig vom ersten Tag an ein sichtbarer Mehrwehrt für die Gemeinde besteht. Es ist dabei zu berücksichtigen, dass sowohl der Planungs-, Koordinierungs- als auch Betriebsaufwand der erarbeiteten Lösung für die Gemeinde Bad Hindelang so gering wie möglich gehalten werden soll. Nur so lassen sich eine langfristige Verankerung in der Gemeinde und eine nachhaltige Implementierung garantieren. Um diesem umfassenden Anspruch Rechnung zu tragen, soll eine digitale Plattform entwickelt werden: Das ZukunftsOS.

Wieso ein ZukunftsOS?

Eine der Hoheitsaufgaben des Staates ist es Infrastruktur – Verkehrsnetze (Straßen, Schienen- und Wasserwege) oder Ver- und Entsorgungseinrichtungen (Energie, Wasser, Kommunikationsnetze) – zur Verfügung zu stellen, deren Nutzung der Zivilbevölkerung zugutekommt und der privaten Wirtschaft das Wirtschaften erst ermöglicht. In Zeiten der Digitalisierung und einer modernen Informationsgesellschaft, sollte es ebenso Aufgabe einer Gemeinde sein, eine digitale Infrastruktur zu schaffen, die die Basis für innovative und kreative Ideen darstellt. Damit ist deutlich mehr als ein Netzzugang gemeint: Ähnlich zu einem Betriebssystem soll die Umsetzung konkreter Ideen über Nutzergruppen und Endgeräte hinweg erst überhaupt ermöglicht werden. Wie bei modernen Smartphones soll das ZukunftsOS eine Plattform sein, welches durch zusätzliche Dienste und Funktionen – ähnlich wie Apps auf dem Smartphone – erweitert werden kann.

Mit dem ZukunftsOS wird die Grundlage geschaffen, verschiedene Anwendungsfälle (vor allem die Ideen aus Phase 1) holistisch in einem digitalen und virtuellen Bad Hindelang umzusetzen und kontinuierlich zu erweitern. Dabei sind auch weitere Anwendungsfälle sowohl für Bürger & Touristen (Nutzer von Diensten, Kommunikation und Vernetzung), die Gemeindeverwaltung (Kommunikation, Information, u.a. von Beschlüssen), Unternehmen (Produkte anbieten, Mitfahrzentrale etc.) und Vereinen und sozialen Gemeinschaften (Obstbäume auf Karte, Angelplätze, Veranstaltungen, Geocaching) angedacht.

Das ZukunftsOS beinhaltet dabei auch die Option, dass Touristen und Bürger Daten zur Verfügung stellen, welche durch die Drittanbieter genutzt werden können um individualisierte Angebote zu erstellen. Somit ergibt sich die Möglichkeit auf besondere Anforderungen, wie gesundheitliche oder körperliche Beeinträchtigungen gezielt eingehen zu können. So können Wanderrouten auf die persönliche Fitness abgestimmt werden oder Ausflugsziele speziell für Rollstuhlfahrer selektiert werden. Zur erfolgreichen Umsetzung dieser Vorhaben und zum Schutz der Bürger vor Fremdzugriff auf deren, auch sensiblen Daten, sind sowohl offene Schnittstellen und Datensicherheit als auch Datenschutz – privacy by design – erforderlich.

Um die unsachgemäße Datennutzung und Verarbeitung zu verhindern, soll das ZukunftsOS, als digitale Infrastruktur, auch langfristig in der Verantwortung der Gemeinde Bad Hindelang liegen. Nur so kann garantiert werden, dass das ZukunftsOS auf die Bedürfnisse der Bewohner, Touristen, Wirtschaft und Verwaltung optimal zugeschnitten ist und gleichzeitig über eine sichere Möglichkeit der Vernetzung mit Drittanbietern verfügt. Ohne eine entsprechende Lösung aus Deutschland ist ansonsten zu befürchten, dass Drittanbieter – beispielsweise aus den USA oder China – entsprechende Lösungen ohne Einflussmöglichkeiten der Gemeinde anbieten.

Die Darstellung und Nutzbarkeit des ZukunftsOS soll dabei sowohl auf mobilen Endgeräten, als auch auf PCs und im Gemeindegebiet verteilten Terminals ermöglicht werden. Die Erstellung einer isolierten Applikation, wie einer App, wird gezielt nicht angestrebt, da dies sowohl die Nutzbarkeit als auch der Skalierbarkeit entgegenstehen würde. Mit dem ZukunftsOS stellt Bad Hindelang eine innovative Infrastruktur zur Verfügung, welche langfristig, nachhaltig und sicher sowohl die Gemeinde als attraktiven Tourismusstandort festigen wird, als auch die regionalen Wirtschaft stützen und weiter stärken wird.

Mehr als nur eine Vision für Bad Hindelang – Ein Skalierbarkeitskonzept

Ziel muss es sein die Anforderungen für alle Entwickelten Lösungen so aufzusetzen, dass diese auf andere Gemeinden übertragbar sind. Die in Bad Hindelang vorgefundene Situation einer kleinen Gemeinden, welche von in Großstädten entwickelten technischen Innovationen und digitalen Infrastrukturen teilweise abgeschnitten ist, betrifft zahlreiche Gemeinden in ganz Deutschland. Durch das hohe Interesse der Bürger an Digitalisierung und die außergewöhnliche Bereitschaft aller am Ort ansässigen Wirtschaftsbetriebe neue, digitale Konzepte voranzutreiben und zu nutzen, besteht durch die ganzheitliche Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“ die Möglichkeit Lösungen zu entwickeln, diesem Trend entgegen zu wirken. Hierbei soll auch aufgezeigt werden, wie Digitalisierung kleiner Gemeinden u.a. zu einer Steigerung der Wirtschaft, dem Erhalt der Kulturlandschaft und dem verhindern von Landflucht sowie der Stärkung eines nachhaltigen Tourismuskonzeptes dienen kann. Damit in Bad Hindelang erarbeitete Lösungen nicht als Insellösungen, sondern skalierbare und übertragbare Konzepte funktionieren können, muss bereits in der Entwicklung sichergestellt sein, dass die Plattform des ZukunftsOS auf offenen Systemschnittstellen und individualisierbaren Strukturen aufbaut. Durch Dienste von Drittanbietern, welche diese digitale Infrastruktur nutzen, muss ein sich selbst tragendes Geschäftsmodell entwickelt werden, welches langfristig durch die Ausgründung eines Unternehmens oder durch IT-Dienstleister getragen werden könnte.

Gerade die vergleichsweise weniger komplexen Strukturen in der alpinen Tourismusgemeinde und die breite Begeisterung der Bürger und Gäste für die Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“ ermöglichen eine schnelle und zielorientierte Umsetzung, welche langfristig innerhalb der Gemeinde verankert werden kann. Im Vergleich zu einem komplexeren Anwendungsrahmen kann in Bad Hindelang mittels Digitalisierung eine breite Anzahl an Synergien zur Erreichung von langfristigen Zukunftszielen nutzen. Ziel ist es, die in Bad Hindelang erarbeiteten Lösungen so aufzusetzen, dass diese auf andere ländliche und bisher vom digitalen Fortschritt abgeschnittenen Gemeinden übertragbar und in ihrer Gesamtheit skalierbar sind. Auf Basis des ZukunftsOS sollen sukzessive über die nächsten Jahre und Jahrzehnte jeweils gewünschte und benötigte Lösungen entwickelt werden.

Langfristig soll der Gemeinde dabei die Rolle eines Kurators für das ZukunftsOS zukommen. Die Entwicklung weiterer Anwendungen und Dienste erfolgt durch ausgewählte und lizenzierte Drittanbieter mit sich selbst tragenden Geschäftsmodellen.

Technische Anforderungen an das ZukunftsOS

Um die zentrale, digitale Infrastruktur einer Kleinstadt werden zu können, muss die Lösung ein intelligentes Interagieren mit Daten ermöglichen. Neben den Daten wird es auch Ereignisse geben, die entweder auf den Daten direkt wirken, oder Prozesse im System auslösen und steuern. Die zentrale Aufgabe des ZukunftsOS ist, Daten zu empfangen, zu analysieren und daraus Handlungsempfehlungen für angeschlossene Systeme zu erzeugen. Das heißt, es darf nicht antreten, um alle Teilbereiche einer Stadt abzudecken. Vielmehr muss es wie ein Betriebssystem die Ressourcen zur Verfügung stellen, um weiteren Programmen eine einfache Integration mit diesen Ressourcen zu ermöglichen. Wie in einem AppStore müssen Erweiterungen sicher, eingeschränkt und überwacht auf diese Ressourcen zugreifen können. Ebenso muss das Betriebssystem eine Darstellungsschicht beinhalten, so dass die digitalen Vorgänge an den Menschen herangetragen werden können. Diese Darstellungsschicht muss multikanalfähig sein, das heißt sie muss auf eine Vielzahl verschiedener Endgerätetypen und Darstellungstechnologien funktionieren.

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim Auswertung Anwendungsfälle

Das ZukunftsOS setzt dabei explizit auf etablierte Standards, um eine Dateninteroperabilität und -wieder Verwendbarkeit zu garantieren. So sollten Authentifizierung bzw. Autorisierung über OAuth laufen, Datenschnittstellen etablierten Standards wie OData oder ähnlichem folgen.

Datenaustausch und Datensicherheit im ZukunftsOS

Datensicherheit ist ein kritisches Thema, das explizit in der Architektur berücksichtigt wird. Schnittstellen werden so ausgelegt, dass Daten nicht, oder nur nach dem Grundprinzip der Sparsamkeit an Drittsysteme übermittelt werden. Das ZukunftsOS wird benötigte Berechnungen oder Analysen selbst durchführen, so dass nur Ergebnisse einer Datentransformation übermittelt werden, aber auf keinen Fall die Rohdaten. So werden zum Beispiel die persönlichen Interessen oder Informationen einer Person nicht zur Analyse in ein Drittsystem übermittelt. Stattdessen muss das Drittsystem Analyseanfragen an ZukunftsOS stellen. Statt also einem Drittsystem, das Wanderstreckenempfehlungen erstellt, das Alter und die Fitness der Person zu übermitteln, muss das Drittsystem nach der Eignung der spezifizierten Wanderstrecke für die Person fragen und erhält nur eine prozentuale Eignung als Antwort. Genauso muss es möglich sein im System vertraute Kreise zu bilden, in denen Daten freier ausgetauscht werden können. Dies dient zum Beispiel dazu, um lokale Unternehmen stärker aneinander zu koppeln und damit neue, spannende Geschäftsfelder zu erschließen.

Diese vertrauten Kreise müssen dynamisch bildbar sein, wobei jedes Mitglied des Kreises die eigenen Berechtigungen und Zugehörigkeiten ändern können muss. Dabei stellt das ZukunftsOS hier wieder die Infrastruktur zur Verfügung, um konkrete Anwendungsfälle mit diesen Funktionalitäten in Drittsystemen abzubilden.

Um auch regional wirken zu können, muss das ZukunftsOS auch den Austausch zwischen Städten und Gemeinden in der Region ermöglichen. Standardisierte Schnittstellen werden hier für autorisierte und vertrauenswürdige Partnersysteme erweitert, um über ein Daten-Mashup weitere Synergieeffekte in der Region für die Bewohner, Besucher und Urlauber zu ermöglichen. Diese höher autorisierten Schnittstellen müssen gesondert gegen Zugriff abgesichert werden, so dass garantiert werden kann, dass die Daten nur auf Behördenservern einsehbar sind. Durch diese Verbundbildung über ZukunftsOS-interne Schnittstellen können sich in einer Ausbaustufe Kleinstadtverbünde zu schlagkräftigen Gemeinschaften zusammenschließen.

Kostenneutralität für die Gemeinde Bad Hindelang

Über die technisch notwendigen Voraussetzungen hinaus, muss das ZukunftsOS auch mit den Gegebenheiten in einer Kleinstadt kompatibel sein. So kann nicht von einer großen Belegschaft mit dediziertem IT-Administrationspersonal ausgegangen werden. Die Gesamtlösung muss daher sehr einfach administrierbar sein. Backups, Redundanzen und Ausfallsicherheit müssen ohne Aufwand garantiert sein. Ansätze, dass eine dezentrale Administration als Service die Stadt unterstützt, sind ebenfalls zu untersuchen. Genauso muss das System mit den Wünschen und Anforderungen der Stadt wachsen und skalieren. Verbundbildungen müssen einfach und ohne erhöhten Hardware-Einsatz möglich sein. Satelliteninstallationen in kleinen Gemeinden, oder Übernahme der Bereitstellung durch den nächstgrößeren Ort sind ebenfalls Einsatzmöglichkeiten, die berücksichtigt werden müssen.

Anwendungsfall online Bauernmarkt – ein Demonstrator

Die vorskizzierte Architektur-Blaupause des ZukunftsOS ermöglicht über die Kombination aus Datenpool, Schnittstellen und Prozessen eine Vielfalt von Szenarien. Ein möglicher Anwendungsfall ist ein intelligenter Bauernmarkt, der viele verschiedene lokale Unternehmen mit einbindet:

So könnte in einem möglichen Demonstrator ein simuliertes Hotelsystem die Kapazitätsauslastung an das ZukunftsOS melden. Zusätzlich meldet ein Drittanbieter für Internet of Things-Lösungen über eine intelligente, RFID-basierte Kühlwarenlagerung, welche in demselben Hotel betrieben wird, den mittleren Milchverbrauch. Diese Datengrundlage wird in der Ingress-Datenbank gehalten. Periodische Prozesse extrahieren aus diesem Datenpool durch Dataminingprozesse die daraus resultierende benötigte Milchmenge für die nächsten 3 Tage. Diese berechneten Daten werden im Zuge eines Prozesses vollautomatisch im intelligenten Bauernmarkt zur Lieferung ausgeschrieben. Dieses System bietet eine Möglichkeit Angebot und Nachfrage halbautomatisch zu paaren. Wenn Übereinstimmungen erkannt werden, benachrichtigt das System passende Landwirte per Push Notification, dass eine neue, passende Anfrage vorliegt. Die Landwirte können diese Lieferanfrage im Onlineportal oder ihren Smartphones gegenprüfen und akzeptieren. Das System registriert, dass ein neuer Auftrag erzeugt wurde und leitet die entsprechenden Prozesse zur Bezahlungsabwicklung ein. Parallel generiert das ZukunftsOS über einen weiteren Prozess einen Lieferauftrag, welcher vollautomatisch in das Drittsystem eines angebundenen, lokalen Kurierdienstes ausgespielt wird. Mit Hilfe der Liefer-App wird dem Fahrer genau Abholzeit und -ort, Lieferzeit und -ort und Route mitgeteilt, so dass vollautomatisch die gewünschte Milchmenge mit Einsatz der lokalen Unternehmen pünktlich am Hotel ankommt.

Teil der zweiten Phase wird allerdings explizit auch sein, die hier vorgestellte Architektur-Blaupause weiter zu detaillieren und auszuarbeiten sowie durch konkrete Einsatzszenarien zu unterfüttern und gegen diese hinsichtlich Plausibilität zu validieren.

Reallabor Bad Hindelang

Viele ländliche Gemeinden sind in einer vergleichbaren Lage wie Bad Hindelang. Ihr primäres wirtschaftliches Standbein hängt vom Fremdenverkehr ab, welcher jedoch nicht immer leicht mit dem langfristigen Erhalt der regionalen Natur- und Kulturlandschaft in Einklang zu bringen ist. Sie stehen vor demographischen Veränderungen, haben es schwer, nachhaltig Arbeitsplätze in der Region zu sichern und so auch jüngere Zielgruppen in der Gemeinde zu halten. Das ZukunftsOS bietet ein innovatives, nachhaltiges und ganzheitliches Konzept die Vorteile der Digitalisierung auch im ländlichen Raum zu verstetigen. Es bietet die Möglichkeit einzelne digitale Stadtentwicklungsinitiativen zu einem ganzheitlichen Konzept zu verknüpfen.

Bad Hindelang fungiert als Schaufenster für andere ländlich geprägte Gemeinden. Gewonnenes Know-how sowie erarbeitete Lösungen werden regelmäßig der Öffentlichkeit präsentiert. Die Ergebnisse kommen damit auch anderen Gemeinden zu Gute: Durch „Digitales Bad Hindelang 2030+“ wird so der Anschluss des ländlichen Raums an die digitale Welt gehalten. Die Vision „Digitales Bad Hindelang 2030+“ hat insbesondere das Potenzial, neue Perspektiven für junge, digital affine Leute zu schaffen: Innovative digitale Lösungen und Geschäftsmodelle können schon im Elternhaus erprobt werden. Die Infrastruktur ist bereits vorhanden!

Bezogen auf den Demonstrator könnte beispielsweise ein Teil der Lieferkosten des online Bauernmarktes langfristig zur Finanzierung der Plattform genutzt werden. Daher ist davon auszugehen, dass sowohl das in Bad Hindelang erprobte Know-how auch das ZukunftsOS selbst auf andere Kommunen übertragbar ist.

Nutzung der Ergebnisse für wissenschaftliche Forschung

Im Rahmen des Gesamtprojekts erforschte und in dem Reallabor Bad Hindelang überprüfte wissenschaftliche Erkenntnisse werden in mehreren Publikationen der breiten Wissenschaftscommunity zur Verfügung gestellt. Zusätzlich soll auch in praxisnahen Zeitschriften publiziert werden. Hierbei werden folgende Publikationsziele in den Bereichen Kunden- bzw. Bürgerbedürfnisse, Akzeptanzforschung gegenüber digitalen Lösungen, Prüfung von Anreiz- und Lenkungssystemen, Datensicherheit & Privatsphäre angestrebt. Neben zahlreichen Medienbeiträgen über das Zukunftsstadtprojekt „Digitales Bad Hindelang 2030+“ konnten bereits zwei wissenschaftliche Transferpublikationen während der ersten Phase realisiert werden:

„Digitale Transformation – Zukunft Realität werden lassen“, Spektrum Universität Bayreuth, Forschungstransfer, Ausgabe 02/2015.

„Digitale Technologien stärken Region – Die alpine Tourismusgemeinde Bad Hindelang entwickelt bedarfsgerechte, bürgernahe digitale Vision“, Augsburger Allgemeinen Zeitung, Forschungsbeilage der Universität Augsburg, Rubrik Wissenschaft und Forschung, Ausgabe 06/2015.

Alleine die Beschäftigung mit dem Thema Digitalisierung in Bad Hindelang hat einen kreativen Prozess ausgelöst. Es wurden diverse Ideen zur direkten Umsetzung diskutiert, folgende Ideen wurden und werden außerhalb des eigentlichen Projekts (und Budgets) umgesetzt:

  1. Im Flüchtlingsheim Bad Hindelang wurde freies WLAN eingeführt. Diese Maßnahme soll vor allem den Flüchtlingen nach der die Ankunft, den Kontakt zur Heimat erleichtern und ein schnelles Zurechtfinden und Einleben der Flüchtlinge in der neuen Umgebung ermöglichen. Das Erlernen der deutschen Sprache durch online Kurse und Apps wird gefördert. Verabredungen mit diversen Akteuren und Vereinen der Gemeinde (z.B. Whatsapp, Facebook-Gruppen) werden durch die neu aufgebaute Infrastruktur wesentlich vereinfacht.
  2. Im Hotel Prinz-Luitpold-Bad (Konsortialpartner) wir eine Studie zur Energieeffizienz beim Duschen durchgeführt. Ziel dabei ist es zu untersuchen, wie digitale Innovationen dazu beitragen können, den Energieverbrauch in der Tourismusgemeinde zu senken. Hierzu wurden ausgewählte Badezimmer des Hotels mit modernen, batterielosen Duschanzeigen ausgestattet, die den Warmwasserverbrauch beim Duschen erfassen. Untersucht wird, wie das Energieverhalten durch normative und emotionale Informationen beeinflusst wird. Die Studie wurde gemeinsam von der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FITs, Universität Bamberg und der ETH Zürich konzipiert, begleitet und wird derzeit noch durchgeführt. Bisherige Studien haben gezeigt, dass über die intelligente Verbrauchsanzeige Amphiro über 400 kWh Wärmeenergie sowie 8500 Liter Trink- und Abwasser jährlich gespart werden. Mögliche Einsparungspotenziale und Verhaltensmuster im Hotel-/Wellnessbereich (für die Tourismusgemeinde Bad Hindelang von signifikanter Bedeutung) sind bisher unerforscht.
  3. Aufgrund der großen Begeisterung und positiven Resonanz des Projekts „Digitales Bad Hindelang 2030+“, kommen inzwischen erste Rasenmähroboter in Bad Hindelang zum Einsatz. Ein erster Schritt Richtung Smart Farming.
  4. Aufgrund der starken Eigeninitiative einzelner Interessensgruppen, erwägt die Gemeindeverwaltung derzeit die Einführung eines digitalen Parksystems, eine große Erleichterung bei der Suche nach freien Parkplätzen in der Nähe eines angegebenen Ziels. Angedacht ist dabei auch die Bezahlung des Parkscheins per SMS oder per App. SMS & Park ist damit in Form des neuen digitalen Parksystems einer der ersten, sich bereits in der Umsetzung befindlichen Vorschläge aus dem Ideenwettbewerb. Mit einer möglichen Einführung könnte somit die bereits im Bürgerworkshop identifizierte Parkproblematik adressiert und verbessert werden.
    Die erste Projektphase hat somit bereits einen kreativen Prozess in Bad Hindelang in Gang gesetzt, der auch über das eigentliche Projekt hinausging. Wir sind zuversichtlich, dass die freigesetzte Kreativität auch in einer zweiten Phase des Projektes weitergehende Innovationen hervorbringen wird.
Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim
Ob Digitalisierung, bezahlbarer Wohnraum, sichere Arbeit, nachhaltige Verkehrs- und Infrastrukturen, Zuwanderung oder die Energiewende: Wie die Zukunft unserer Stadt aussehen soll, geht uns alle an.
Deshalb hat das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) 2015 den Wettbewerb „Zukunftsstadt“ gestartet. 51 Städten, Gemeinden und Landkreisen haben im letzten Jahr gemeinsam mit ihren Bürgerinnen und Bürgern Visionen für die Zukunft ihrer Stadt 2030+ entwickelt. Aktuell werden diese Visionen noch bis Ende Mai 2016 finalisiert.

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim Präsentation

Mit ihren Ergebnissen können sich die 51 Städte ab sofort auch für die 2. Phase des Wettbewerbs bewerben. Das BMBF plant bis zu 20 Städte, Gemeinden und Landkreise zu fördern, die ein nachhaltiges Planungs- und Umsetzungskonzept ihrer Visionen 2030+ erarbeiten.

Dieses Konzept soll analog zur 1. Phase mit kontinuierlicher Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger sowie Akteuren aus lokalen Verbänden, Unternehmen, Initiativen und der Stadtverwaltung entwickelt werden. Ziel ist es, gemeinsam konkrete Maßnahmen für die Umsetzung zu erarbeitet. Die Wissenschaft soll dabei eine zentrale Rolle bei der Beratung und Prüfung der Ideen einnehmen.

Insgesamt umfasst der Wettbewerb „Zukunftsstadt“ drei Phasen: von der Entwicklung einer Vision über die Planung der Umsetzung bis hin zur Umsetzung selbst. Nach der 2. Phase werden 2018 noch bis zu acht Kommunen die Chancen erhalten, die von ihnen entwickelten Visionen in die Realität umzusetzen. Partner des Wettbewerbs „Zukunftsstadt“ sind der Deutsche Städtetag, der Deutsche Städte- und Gemeindebund und der Deutsche Landkreistag. Der Wettbewerb ist Teil der Leitinitiative „Zukunftsstadt“ des Rahmenprogramms „Forschung für Nachhaltige Entwicklungen“ (FONA).

Weitere Informationen finden Sie unter: www.fona.de/zukunftsstadt

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim

Der Wettbewerb „Zukunftsstadt“ als ein Teil der neuen Innovationsplattform „Zukunftsstadt“ der Bundesregierung steht im Fokus dieser Konferenz. Im Rahmen des „Markts der Ideen“ und der Arbeitsgruppen haben Städte und Gemeinden die Möglichkeit, Ergebnisse aus Ihren Projekten des Wettbewerbs „Zukunftsstadt“ vorzustellen.

Vertreterinnen und Vertreter aus Kommunen, Wissenschaft, Wirtschaft und Zivilgesellschaft sind eingeladen, praktische Erfahrungen bei der Umsetzung von Ideen und Innovationen auszutauschen, erprobte Lösungen kennenzulernen, Barrieren und Prioritäten zu diskutieren und konkrete Impulse für die künftige Arbeit der „Innovationsplattform Zukunftsstadt“ zu geben. Herr Prof. Fridgen der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Fraunhofer FIT wird hierbei die Arbeitsgruppe „Smarte City: Lösung neuer Aufgaben durch Digitalisierung“ durch einen Impulsvortrag eröffnen. Die auf zwei Tage angelegte Konferenz soll die Grundlage für die Umsetzung der Ideen in der Innovationsplattform legen. Weitere Informationen können Sie dem dazugehörigen Factsheet bzw. dem Programm der Konferenz entnehmen, oder auch online unter https://www.wege-in-die-zukunftsstadt.de finden.

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim team

Im Rahmen des Wettbewerbs „Zukunftsstadt“ wurde ein zwölfköpfiges „Zukunftsstadtteam“ identifiziert, bestehend aus Vertretern der Verwaltung, lokalen Wirtschaft und Bürgervertretern, sowie aus Vertretern der Projektgruppe Wirtschaftsinformatik des Frauenhofer FIT und Beratern, um somit diverse Interessensgruppen und unterschiedliches Know-How widerzuspiegeln. Das Zukunftsstadtteam bildet im Rahmen des Ideenwettbewerbs die Jury. Dabei werden eingereichte Ideen aus dem Ideenwettbewerb innerhalb des Zukunftsstadtteams bewertet und vorselektiert. Die vorselektierten Ideen werden zu einer digitalen Vision Bad Hindelangs zusammengefasst und im Gemeinderat diskutiert.

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim Bürgerworkshop

Welche Chancen bietet die Digitalisierung? Was muss heute passieren, damit Bad Hindelang das Morgen gestalten kann? Mehr als 30 Teilnehmerinnen und Teilnehmer des ersten Bürgerworkshops im Rahmen des Wettbewerbs „Zukunftsstadt“ haben sich Gedanken über Fragen wie diese gemacht. Ihre Vorstellungen und Ideen diskutierten sie am 24. September 2015 im Bad Hindelanger Kurhaus.

Unter Federführung der Zweiten Bürgermeisterin Editha Kuisle wird im Projekt „Digitales Bad Hindelang“ die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern sichergestellt. Prominenter Ehrengast an diesem Abend war Professor Horst Zuse, der Sohn des in Bad Hindelang geborenen Computer-Erfinders Konrad Zuse.

Den hohen Stellenwert der Digitalisierung in der heutigen Gesellschaft betonte Professor Gilbert Fridgen in seinem Impulsvortrag. Als Vertreter des Fraunhofer FIT steht er der Stadt als wissenschaftlicher Partner zur Seite und begleitet den Wandel. In einem gemeinsamen Workshop wurden anschließend die Problembereiche der Marktgemeinde erörtert und erste Verbesserungsideen erarbeitet. Das Zukunftsstadtteam hat diese Ideen strukturiert und thematisch zusammengefasst. So wird auf einen Blick deutlich, wo demnächst angesetzt werden muss: „Belebung des Ortskerns“, „Barrierefreiheit“, „Infrastruktur“, „Mobilität“ und „Familie & Jugend“.

Ehrengast Horst Zuse wies in seinem Schlusswort erneut auf die Bedeutung der Bürgerbeteiligung hin: Eine nachhaltige digitale Zukunftsvision sei ohne den Dialog mit Bürgerinnen und Bürgern unmöglich. Bad Hindelang wird nun im nächsten Schritt on- wie offline eine weitere Bürger- und Ideenumfrage starten. Das zwölfköpfige Zukunftsstadtteam, eine Gruppe mit Vertreterinnen und Vertretern der Verwaltung, der lokalen Wirtschaft und der Bürgerschaft, begleitet und koordiniert den Prozess. So soll eine digitale Vision reifen, die sich strikt nach den Bedürfnissen der Bürgerschaft richtet.

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim Präsentation

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim Bürgerumfrage

Bürger und Gäste Bad Hindelangs sind herzlich eingeladen, aktiv an diesem Projekt mitzuwirken um ein attraktives und nachhaltiges Bad Hindelang zu gewährleisten.

Zu Beginn wird eine Bürger- und Gästebefragung durchgeführt um Problembereiche und aktuelle Verbesserungspotentiale aufzudecken. Nutzten Sie die Gelegenheit, und gestalten ein Stück digitales Bad Hindelang mit. Den dazugehörigen Fragebogen können Sie entweder „offline“ ausfüllen und in den Tourist Informationen Bad Hindelang und Oberjoch sowie im Rathaus in die aufgestellten Urnen einwerfen oder direkt online ausfüllen und absenden.

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim

Digitale Technologien durchdringen immer mehr Bereiche unseres alltäglichen Lebens: Angefangen von Geldautomaten, über Online-Banking und Online-Shopping, bis hin zu Smartphones und mobilen Anwendungen sind digitale Technologien heute kaum mehr wegzudenken. Mit neuen technologischen Entwicklungen und neuen Anwendungsfeldern ist eine Durchdringung weiterer Bereiche von Wirtschaft und Gesellschaft schon absehbar.

Im Projekt „Digitales Bad Hindelang – Digitalisierung einer alpinen Tourismusgemeinde“ sind sowohl Bürgerinnen und Bürger als auch Touristen herzlich eingeladen, Vorschläge zur Digitalisierung in Bad Hindelang einzureichen. Eingereichte Ideen werden innerhalb des Zukunftsstadtteams bewertet und vorselektiert. Die vorselektierten Ideen werden den Bürgern in einem Bürgerworkshop zur finalen Abstimmung und Priorisierung vorgestellt.

Bürger und Gäste sind herzlich eingeladen Ihre Ideen im Rahmen des Ideenwettbewerbes zu einer digitalen Vision direkt in den Wettbewerb einzubringen. Den dazugehörigen Ideenbogen können sie wiederum sowohl online ausfüllen als auch „offline“ und in den Tourist Informationen Bad Hindelang und Oberjoch sowie im Rathaus in die dort bereitgestellten Urnen einwerfen.

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim Studierende

Die Digitalisierung verändert spätestens seit der breiten Nutzung des Internets zunehmend gesellschaftliche Strukturen und prägt neue ökonomische und gesellschaftliche Entwicklungen. Digitalisierung kann neben positiven Impulsen für die Wirtschaft insbesondere durch die breite Vernetzung unterschiedlicher Lebensbereiche unterstützen, neue Lösungen für die Herausforderungen unserer Zeit zu finden.

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim

Die Chancen der Digitalisierung zu nutzen ist eine zentrale Herausforderung der sogenannten Zukunftsstädte bzw. Smart Cities bzw. Wie soll die ideale Zukunftsstadt von morgen aussehen und wie kann Digitalisierung helfen? Dies wird im Rahmen eines Seminars von Studierenden anhand der alpinen Tourismusgemeinde Bad Hindelang untersucht. Dabei werden insbesondere Chancen und Herausforderungen von Gemeinden in ländlichen Räumen berücksichtigt. Die Studierenden stehen daher im Austausch mit verschiedenen Stakeholdern der Gemeinde, wie z.B. Tourismusvertretern, dem Einzelhandel oder auch Bürgern und Touristen vor Ort.

In Bad Hindelang wurde im wahrsten Sinne des Wortes Weltgeschichte geschrieben. Im April 1945 – inmitten des zweiten Weltkrieges – verschlägt es Dr. Konrad Zuse hierher. Und er bringt wohl den wichtigsten Grundstein der heutigen Digitalisierung mit. Der erste vollautomatische, programmgesteuerte und frei programmierbare Computer, zu diesem Zeitpunkt fast fertig entwickelt, befindet sich in seinem Gepäck. Während seiner Zeit in Bad Hindelang arbeitet Zuse außerdem an „Plankalkül“, der ersten „höheren“ Programmiersprache der Welt, die auch für alle folgenden Programmiersprachen die Grundlage bildet. So lassen sich die Wurzeln der Digitalisierung als doch bis nach Bad Hindelang in die Allgäuer Alpen zurückverfolgen, dank des Pioniers Konrad Zuse.

Forschung Forschungsprojekt Bad Hindelang fim Wettbewerb Zukunftsstadt

Im Rahmen des Projekts Digitales Bad Hindelang durften wir Prof. Dr. Horst Zuse, der in Hindelang geborene Sohn des Computer-Erfinders Konrad Zuse, begrüßen. Als Ehrengast und Redner zog er mit seinem Digitalisierungsvortrag die Zuhörer und Teilnehmer des Bürgerworkshops in seinen Bann und verdeutlichste dabei die Relevanz und Bedeutung der Digitalisierung für die heutige Gesellschaft – im Fokus stand dabei die Frage „Wie bringen wir Bad Hindelang ins Zeitalter der Digitalisierung?“

Kontakt

Sollten Sie Interesse an unserem Forschungsprojekt „Digitales Bad Hindelang“ haben, dann freuen wir uns auf Ihre Kontaktaufnahme.
Weitere Informationen zum Wettbewerb Zukunftsstadt finden Sie unter https://www.wettbewerb-zukunftsstadt.de